Fairtrade-Schokolade: Welche Siegel sind wichtig?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Rawpixel auf Unsplash
Wie gut sind Fairtrade-Siegel?
Die Welt liebt Schokolade. Darauf zu verzichten kommt nur für die Wenigsten infrage. Mit unserem Konsum tragen wir jedoch eine große Verantwortung und sollten uns darüber bewusst sein, woher unsere Süßigkeit kommt und unter welchen Bedingungen sie produziert wurde. Fairtrade-Siegel sollen hier Transparenz schaffen. Doch nicht jedes Siegel steht automatisch für Fairness.

Kaum zu glauben, aber wahr: Jeder Deutsche verputzt im Schnitt etwa 10 Kilogramm Schokolade pro Jahr. Kein Wunder also, dass Deutschland neben den USA der zweitgrößte Verarbeiter von Kakaobohnen ist. Genauer gesagt befindet sich der größte Kakao-Umschlagplatz, mit etwa 220.00 Tonnen pro Jahr, in Hamburg. Die weltweit größten Lieferanten der leckeren Bohnen sind Ghana und die Elfenbeinküste. Es handelt sich um einen Milliardenmarkt, von dem jeder Beteiligte natürlich ein Stückchen abhaben möchte. Das zeigen auch die Zahlen an der Weltmarktbörse. Eine Tonne Kakao kostet hier derzeit etwa 2.000 Euro.

Lieber auf Schokolade verzichten?

Den Markt dominieren allerdings vor allem die ganz großen Player, wie Nestlé (Kitkat, Rolo, Lion, Nuts, Smarties, Yes), Ferrero (kinder, Duplo, Hanuta, Nutella), Mars (Balisto, Bounty, Mars, Milky Way, Snickers, Twix) und Mondelēz (Milka, Toblerone, Côte d’Or). Wie fair wird Schokolade bei der großen Nachfrage, der riesigen Konkurrenz und den günstigen Preisen in den Supermärkten also wirklich produziert? Es gibt etwa 14 Millionen Kakaobauern, und noch immer sind unter ihnen zahlreiche Minderjährige, die sich täglich auf den Feldern bemühen. Welche Konsequenzen sollten daraus gezogen werden?

Sollten wir komplett auf Schokolade verzichten und im schlimmsten Fall die Existenzen mehrerer Millionen Menschen riskieren? Wohl kaum. Eine Lösung sollen Fairtrade-Siegel bieten. Doch es gibt Unterschiede, denn nicht überall wo fair draufsteht, ist auch fair drin.

Auf diese Fairtrade-Siegel sollte geachtet werden

Fairtrade

Das Fairtrade-Siegel (rechts)

Dieses Siegel (rechts auf dem Bild) dürfte inzwischen gut bekannt sein. Es garantiert die Unterstützung einer nachhaltigen Produktion und sichert einen Mindestpreis. Ausbeuterische Kinderarbeit und der Einsatz einiger Chemikalien sind untersagt. Die unabhängige Initiative steht außerdem für verbesserte soziale Bedingungen und für die Zahlung von Prämien zur Förderung von Gemeinschaftsprojekten. Produkte, die dieses Siegel tragen, dürfen einen Fairtrade-Gesamtanteil von 20 Prozent nicht unterschreiten. Und auch die im Endprodukt verwendeten Zutaten (z.B. Milch) müssen nach Fairtrade-Standards gehandelt worden sein.

 

Gepa

Dieses Siegel lässt sich leider noch nicht so häufig finden, doch das Unternehmen überzeugt mit seinen strengen Regeln. GEPA steht dafür, strenge Sozialstandards durchzusetzen und Kinderarbeit gänzlich zu verbieten. Zudem wird eine enge und dauerhafte Zusammenarbeit und Förderung demokratisch organisierter Kleinbauerngenossenschaften gepflegt. Etwa 70 Prozent der Mischprodukte enthalten bereits 75 Prozent fair gehandelte Zutaten.

 

Rapunzel Hand in Hand

Rapunzel hat die erste Bio-Schokolade auf den Markt gebracht

Das Hand-in-Hand-Siegel von Rapunzel lässt sich vor allem in Bio- und Naturkostläden finden. Es steht für langfristige Handelsbeziehungen, Mindestpreise und garantierte Abnahmemengen. Kinderarbeit ist hier verboten. Am Ende müssen 50 Prozent der gesamten Rohstoffe eines Produktes aus dem Hand-in-Hand-Programm stammen. Wer dieses Siegel sieht, kann sicher sein, dass das jeweilige Produkt zu 100 Prozent aus Bio-Rohstoffen besteht. Und noch ein interessanter Fakt: Rapunzel hat bereits 1988 die allererste Bio-Schokolade produziert.

Fairtrade-Siegel in der Kritik

Doch immer wieder geraten viele Organisationen in die Kritik. Häufig wird ihnen vorgeworfen, nicht transparent genug zu sein und grundsätzlich zu wenig Einsatz zu zeigen –oder vor allem auf Profit aus zu sein und den Verbraucher mit einem vermeintlich nützlichen und wichtigen Siegel in die Irre zu führen. So setzt sich beispielsweise RAINFOREST für eine umweltschonende Produktion, soziale Gerechtigkeit und höhere Löhne ein – das Logo ist aber vor allem auf Produkten bei McDonald‘s, Tchibo, Nestlé und diversen Discountern zu finden. Unternehmen, die in Sachen Nachhaltigkeit noch einen langen Weg vor sich haben. Ein weiteres Beispiel ist UTZ (Mayathan für „Gut“).

Das Siegel steht vor allem für einen guten Umgang mit den Bauern. Plantagenarbeiter erhalten Unterkünfte und medizinische Versorgung – auch die Vermeidung von Kinderarbeit spielt eine wichtige Rolle. Außerdem setzt UTZ auf einen maßvollen Umgang mit Düngemitteln und Pestiziden. Doch einen verlässlichen Bio-Standard erreichen diese Bemühungen bisher noch nicht, wie Utopia erklärt. Auch immer häufiger zu sehen ist das unternehmenseigene PRO PLANET-Logo, das sich bei Unternehmen der Rewe Group (Rewe, Penny, toom und nahkauf) finden lässt. Das Siegel soll kenntlich machen, ob Artenschutz betrieben wird oder ob bei dem jeweiligen Produkt auf einen kontrollierten und eingeschränkten Wassereinsatz geachtet wurde. Da sich PRO PLANET selbst zertifiziert, gerät auch dieses Unternehmen immer wieder in die Kritik.

Was gibt es noch?

Naturland Fair

Hier wird unter anderem die Milch fair eingekauft

Das Fair-Siegel von Naturland steht für faire Zutaten auch jenseits von Kakao und Schokolade. Hier wird unter anderem auch Milch fair eingekauft. Aufgrund des Preisdrucks, der auf den Schultern der EU-Milchbauern lastet, handelt es sich also um ein bedeutendes Siegel, das bisher allerdings noch selten zu finden ist.

 

EU-BIO-SIEGEL

Zahlreiche Pestizide sind verboten

Das EU-Bio-Siegel wird für in den EU-Mitgliedsstaaten hergestellte und vorverpackte Lebensmittel vergeben, wenn diese zu mindestens 95 Prozent aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. Das bedeutet unter anderem, dass hier zahlreiche Pestizide verboten sind.

Neben all den hier aufgeführten Siegeln gibt es inzwischen noch viele weitere. Sie alle setzten sich zum Großteil noch unabhängig voneinander für verschiedene, aber auch gemeinsame Ziele ein. Und eines ist klar: Mit Fairtrade-Siegeln lässt sich die Welt nicht retten. Doch wenn genügend Menschen diese kennen und auf sie achten, kann das den Markt langfristig bestimmen und in eine bessere, nachhaltigere Richtung drängen. So schaffen wir es zumindest weiterhin, Themen wie Kinderarbeit und Ausbeutung eine besondere Präsenz zu verleihen, vor der niemand die Augen verschließen kann.

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

mixmax1982@gmail.com
#1 — vor 1 Woche 6 Tage
Nice!!

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