Um Antwort wird gebeten…

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Toa Heftiba auf Unsplash
Um Antwort wird gebeten…
Im August ist es endlich so weit: Nach zehn Jahren Beziehung machen mein Freund (an “Verlobter” habe ich mich noch immer nicht gewöhnt – muss ich ja jetzt auch nicht mehr) und ich, wie es so schön heißt, den Sack zu. Und klar: Obwohl wir in den letzten Jahren unglaublich viel erlebt und durchgemacht haben, ist die Planung und Organisation unserer Hochzeit noch einmal ein ganz anderes Thema.

Ein ziemlich großes Thema. Immerhin soll es der schönste Tag unseres Lebens werden. Das ist zumindest unser Wunsch – und vermutlich geht das den meisten Hochzeitspaaren ähnlich: Viele sehen darin den perfekten Start in eine glückliche Ehe. Ja, das mag vielleicht eine Floskel sein – doch wenn wir nicht fest daran glauben würden, dass wir weiterhin glücklich bleiben, könnten wir das mit der Hochzeit auch gleich lassen, oder?

Nichtsdestotrotz bauen die klassischen Erwartungen automatisch Druck auf und lassen mich nachts – anders als meinen Freund – seit einigen Wochen immer mal wieder schweißgebadet aufwachen. Haben wir die Mail mit den fehlenden Informationen an den Trauredner geschickt? Hätten wir die Torte nicht längst in Auftrag geben müssen? Was brauchen wir noch zur Anmeldung der Trauung im Standesamt? Solche Momente nerven, weil sie mich stressen. Zu den Stressfaktoren gehört übrigens auch, die Zu- und Absagen der eingeladenen Personen im Blick zu behalten. Und das ist wesentlich komplizierter als gedacht.

In der Einladung stand, dass wir uns über eine Rückmeldung per E-Mail oder, ganz altmodisch, per Post freuen würden. Nachdem die Einladungen verschickt waren, bekam ich direkt am nächsten Tag eine E-Mail von einer guten Freundin, die letztes Jahr geheiratet hatte: “Da ich weiß, wie das ist, kommt hier ganz offiziell unsere Zusage.”Tja, und jetzt weiß ich nicht nur genau, was sie meinte, sondern auch, wie das denn so ist. Denn ihre Mail war eine von insgesamt zweien! Die meisten Zusagen erreichten uns über WhatsApp in Form eines Fotos von unserer Einladungskarte.

Peter Glaser, IT-Journalist und Schriftsteller, der seit Jahrzehnten die Entwicklung der digitalen Welt verfolgt, erkannte bereits vor Jahren: 

Mit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und dem Aufkommen der sozialen Medien stellte sich heraus, dass wir nicht länger im Informationszeitalter leben, sondern im Kommunikationszeitalter.

Inzwischen bedeutet das für uns, dass wir durch die Masse der an zur Verfügung stehenden Kanäle beinah ununterbrochen miteinander kommunizieren. Während einige Leute größtenteils WhatsApp nutzen, übermitteln andere ihre Nachricht lieber über den Facebook-Messenger. Wieder andere kommunizieren über Instagram, Snapchat oder ähnliche Kanäle. Die E-Mail und das einfache Telefonat gehören im Grunde schon jetzt zu den klassischeren, für manche auch zu den altmodischen Kommunikationsmöglichkeiten. Doch nur das Wie ist an dieser Stelle neu. Menschen haben sich schon immer gern untereinander ausgetauscht. Und während einen früher eben alle paar Wochen ein Brief erreichte oder ein Anruf notwendig wurde, kann sich das große Angebot heutzutage sehr schnell vom Segen in einen Fluch verwandeln.

Da einige Hochzeitszusagen an meinen Freund gingen, andere an mich, und manche Leute uns auch persönlich zu- oder absagten, habe ich völlig den Überblick verloren. Gerade fragte ich eine andere Freundin etwas vorwurfsvoll, ob sie denn vorhabe, zu meiner Hochzeit zu kommen. Aber natürlich! Sie hatte auch schon längst geantwortet – per WhatsApp-Sprachnachricht. Ach so, ja klar… Die nächsten Tage werde ich nun also damit verbringen, alle WhatsApp-Nachrichten, Sprachnachrichten und SMS noch einmal durchzugehen – eine Arbeit, die ich mir gern erspart hätte. Doch offenbar habe ich mich einfach nicht deutlich genug ausgedrückt.

Besser wäre wohl gewesen: “Zu- und Absagen bitte NUR an diese E-Mail Adresse” – ein Kommunikationsfehler, den ich garantiert nicht noch einmal machen möchte…

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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