Zu Tisch bei Monika Fuchs

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Zu Tisch bei Monika Fuchs
Am vergangenen Freitag haben mein Mann und ich einen wundervollen Abend bei Monika Fuchs verbracht. Eine Frau, die nicht nur fantastisch kocht, sondern auch eine der inspirierendsten Personen ist, die ich bisher kennenlernen durfte.

Als sich die Tür öffnete, begrüßte uns Monika Fuchs mit einem Lächeln und einer festen Umarmung. Während dieser fünf Sekunden fühlte ich mich bereits so, als würden wir uns schon ewig kennen und diese Abende regelmäßig zusammen erleben. Doch an diesem Freitag waren wir zum ersten Mal bei ihr. Etwas verschüchtert und überwältigt von der Herzlichkeit, traten wir in ihre große Altbauwohnung ein.

Während sich nach und nach weitere Gäste in den Flur drängten, legten wir uns unsere Namensschilder an, die uns und den anderen den ersten Kontakt zueinander erleichterten. Nach einem Aperitif und ersten zaghaften Gesprächen begann er auch schon: ein unerwartet unvergesslicher Abend voller kulinarischer Köstlichkeiten, einer großen Portion Herzlichkeit und mit einer Frau, von der ich froh bin, sie kennengelernt zu haben.

Monika Fuchs ist die älteste YouTuberin Deutschlands

Vor einigen Monaten bin ich durch einen Zufall auf Monika aufmerksam geworden. Beim Recherchieren stieß ich im Netz auf einen Fernsehbeitrag, in dem sie als die älteste YouTuberin Deutschlands vorgestellt wurde. Trotz ihrer 80 Jahre und mit der Hilfe einer ihrer Söhne befüllt sie ihren Channel mit Videos, in denen sie die unterschiedlichsten Rezepte kocht. Ihre aktuell knapp 2.400 Abonnenten nimmt sie regelmäßig mit in ihre Küche und zeigt, wie sie Schweinebraten, Apple-Crumble und vieles mehr zubereitet – natürlich immer original auf Monika-Fuchs-Art. Eine Google-Suche später fand ich außerdem heraus, dass Monika nicht nur bei YouTube kocht, sondern ihre Küche und ihr Wohnzimmer auch für Gäste öffnet und sogenannte Supper-Clubs veranstaltet. Supper-Clubs werden in den Großstädten immer beliebter. Hobbyköche laden dabei zu sich nach Hause ein, um für Fremde zu kochen.

Monika Fuchs: Ein Menü zum Niederknien

Mehr musste ich nicht wissen, um Monika sofort eine E-Mail zu schreiben und zwei Plätze für einen Abend im Dezember zu reservieren. Wie heiß begehrt ein Platz in ihrem Wohnzimmer ist, lässt sich an der Wartezeit erkennen, die bis zu einem Vierteljahr betragen kann. Und da waren wir nun: Mit zwölf uns völlig fremden Personen saßen wir an einem langen Tisch – im Durchgangszimmer nebenan saßen noch einmal etwa acht. Bis auf zwei – wie Monika sie nennt – Wiederholungstäter hatten wir alle noch nie auf diese Weise einen Abend verbracht. Doch alle Anwesenden kamen sofort miteinander ins Gespräch. Wir unterhielten uns beinah so, als hätten wir uns eben doch schon einmal irgendwo gesehen. Uns gegenüber saßen Anka und Peter, die diesen Abend enorm bereicherten und bei denen ich mich direkt nach ihrem bisherigen Tag erkundigte. Von Anfang an stürzten wir uns in intensive Gespräche – und natürlich auf das Essen.

Amuse-Gueule und Vorspeise

Als Amuse-Gueule gab es Lachs. Die köstliche Vorspeise bestand aus zwei verschiedenen Salaten, bei denen Mango, Avocado, Garnelen, ein pikantes Dressing, frisch gebackenes Brot und eine selbstgemachte Kräuterbutter aufeinandertrafen. Und dann folgte die Hauptspeise: Tafelspitz mit Rotkohl, Preiselbeeren und Kartoffelbrei. Ja, an dieser Stelle ist eine Entschuldigung fällig, denn vor lauter Genuss (der Kartoffelbrei war in diesem Gang übrigens mein absolutes Highlight) habe ich vollkommen vergessen, auch von der Hauptspeise ein Foto zu machen.

Das Leben ist ein Geschenk

Ein weiteres Highlight kam übrigens vor dem Dessert, das aus einer Schoko- und Zitronenmousse , Kirschen und karamellisierten Walnüssen bestand: Denn zunächst erklärte uns Monika, die früher selbst einmal als Journalistin gearbeitet hat und später für das Catering bei Fernsehproduktionen zuständig war, wofür sie das alles überhaupt macht. Als Rentnerin auf den Tod warten? Das kommt für Monika nicht infrage. Die Liebe zum Leben, der Wille, sich selbst einer Aufgabe zu stellen, tolerant zu sein und sich nicht zu verschließen, gepaart mit einer positiven Einstellung und einem Lächeln auf den Lippen – all das hält Monika jung.

Die leckere Schokomousse

Gemeinsam mit ihrem Mann, der vor einiger Zeit verstorben ist, hat sie das Konzept und die Rezepte für ihren Supper-Club entwickelt. Sie liebt ihren derzeitigen Job und das Feierabendgefühl, dass sich am Freitagabend einstellt, wenn der letzte Gast ihre Wohnung wieder verlassen hat – bevor es am Montag und Dienstag wieder an die Einkäufe geht und ab Mittwoch die Vorbereitung für das Dinner beginnt. Während Monika uns all das erzählt, strahlt sie Freude aus, die sie den ganzen Abend durch ihre Person und ihr Essen an andere Menschen weitergibt. So auch an mich. Ein Abend bei Monika kostet übrigens 60 Euro inklusive aller Getränke. Und dass Monika ein Engel ist, zeigt sich auch daran, dass sie den Großteil der Einnahmen an das »Waldpiraten-Camp« spendet – eine Einrichtung, die sich für krebskranke Kinder einsetzt. Den kleineren Teil des Geldes investiert sie in die Zutaten für ihr nächstes Menü.

»Ich suche eine Band«

Nach ihren Erzählungen folgte ein interessantes Spiel, bei dem jeder Gast sagen sollte, was er früher einmal werden wollte, inzwischen geworden ist und jetzt gern sein würde. (Ich wollte als kleines Mädchen Physiotherapeutin werden, ich bin – na klar – Journalistin geworden und wäre jetzt gern Front-Frau einer Rockband). Zum Abschluss gab es dann noch eine Käsevariation mit Weintrauben und selbstgemachtem Feigensenf (wow!). Monika stemmt so einen Abend übrigens nicht allein. Während sie kocht, kümmern sich eine langjährige Freundin, ihre Enkelin und deren Freund um den Service. Um 23 Uhr hieß es dann Abschied nehmen: von wundervollen Menschen und vor allem von Monika, die ganz sicher nicht nur mir das Gefühl gegeben hat, dass es sich wirklich lohnt, selbst nur ein bisschen mehr so zu denken und zu sein wie sie. Danke Monika, auch wir werden sicher zu Wiederholungstätern!

Dieses Abschiedschfoto befindet sich jetzt im Gästebuch von Monika
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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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