»Becoming« - Wie Michelle Obama in ihr Leben wuchs

Words by Jana Ahrens
Photography: Miller Mobley
Schwarze Frau mit schulterlangen, geglätteten Haaren sitzt auf dem Boden, ihr weißes T-Shirt rutscht über die linke Schulter
Eins darf schon zu Beginn aus dem Buch »Becoming« von Michelle Obama verraten werden: Sie wollte nie Präsidentengattin werden. Sie wollte nie dieses Amt übernehmen, das es eigentlich nicht gibt. Wie sie dann doch in diese Rolle hineinwuchs und wie sie es geschafft hat, diese äußerst signifikant zu füllen, verrät ihre Autobiografie.

Diese Woche hat Michelle Obama mal wieder einen glamourösen und trotzdem substanziellen Auftritt bei den Grammy Awards hingelegt. Ein Grund, um noch einmal auf ihre Autobiografie »Becoming« hinzuweisen, die es inzwischen nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören gibt. Solltet ihr die Zeit investieren und die 534 Seiten Text – oder 18 Stunden und 41 Minuten Hörbuch – angehen? Ja, aber… 

 

Ihre Lebensgeschichte: Absolut lesenswert

Betrachtet man nur den Teil der Geschichte, der Michelle Obama berühmt gemacht hat, so ließe sich denken: Nun ja, eine typische Geschichte einer Frau in der klassischen »Frauenrolle« – sie unterstützt ihren Ehemann und kümmert sich um die Kinder, während er die Welt rettet. Doch genau deshalb ist diese Biografie so interessant. Weil sie dieser weltberühmten Frau die Möglichkeit gibt, ihre eigene Geschichte in Gänze zu erzählen. Und ihre Geschichte ist eine, die schon lange vor dem Aufeinandertreffen mit einem gewissen Barack Obama außergewöhnlich und erzählenswert war. Der Weg der ehemaligen FLOTUS (First Lady of the United States) – von der Southside Chicagos über hart umkämpfte Studienplätze bis in die luxuriösen Büros renommierter Anwaltskanzleien – attestiert dieser Frau eine Menge Integrität, einen fast übermenschlichen Willen und eine sympathische Sturheit. 

 

Du lebst, wie immer schon, nach dem Kodex Anstrengung/Ergebnis und erzielst so lange einen Erfolg nach dem anderen, bis du meinst, die Antworten auf alle Fragen zu kennen. Und dazu gehört auch die wichtigste: Bin ich gut genug?

Michelle Obama

 

Ihr Stil: Die ganz persönliche Ansprache

Dabei erzählt Michelle Obama doch immer wie eine gute Freundin, die der Leserin oder dem Leser mit einer Tasse Tee in der Hand auf dem Sofa gegenübersitzt und keine unangenehmen Details auslässt. Gerade weil dieser Stil so natürlich und unverklemmt daherkommt, musste das Buch auch so lang werden. Michelle Obama erzählt im Grunde chronologisch und muss doch einige Schleifen drehen, um ihre Geschichte immer in den richtigen Kontext stellen zu können. Dabei wird das Buch aber nie langatmig oder langweilig. Alle, die schon einmal einer Rede dieser Frau gelauscht haben, wissen, was für eine gute Erzählerin sie ist. Aber eben eine Erzählerin und keine versierte Autorin. Auf diesen Stil gilt es sich einzulassen, damit sich vor dem inneren Auge eine farbenfrohe und oft dramatische Geschichte entfalten kann. 

 

Es war durchaus möglich, dass ich für mein Glück mehr Verantwortung übernehmen könnte, als ich derzeit zuließ.

Michelle Obama
Michelle Obama hat der Rolle der First Lady ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt.

Ihr Manko: Sie kann nicht alle Sprachen der Welt sprechen

Und hier kommen wir auch schon zu dem einen, kleinen Manko des Buchs. Ziel dessen Vermarktung war es, das Buch in möglichst vielen Ländern zugleich zu veröffentlichen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wurde »Becoming« allein für den deutschsprachigen Markt von sechs verschiedenen Übersetzerinnen und Übersetzern bearbeitet, die sich dann trotzdem noch ganz schön beeilen mussten. Das macht sich manchmal bemerkbar. Wer der englischen Sprache fließend mächtig ist, wird an vielen Stellen an den etwas zu direkt übersetzen englischen Phrasen hängenbleiben und sich vielleicht im Lesefluss gestört fühlen. 

Ich freute mich beinahe ehrfürchtig auf die Rolle der First Lady, erwartete aber nicht auch nur eine Sekunde, dass mein Leben leicht oder gar glamourös werden würde. Das würde niemandem, der die Adjektive „erste“ und „schwarz“ angeheftet bekommt, je zuteilwerden.

Michelle Obama

Fazit

Dass Michelle Obama ihr Buch nicht selber in alle Sprachen der Welt übersetzten kann, soll vom Genuss dieses Buches nicht abhalten. Dafür ist ihre Lebensgeschichte einfach zu besonders und zu wichtig für unsere Zeit. Daher einfach die Empfehlung: Alle, die es sich zutrauen, das Buch im Original zu lesen, sollten dies tun. Allen, die sich leicht an holperigen Formulierungen stören, sei das Hörbuch ans Herz gelegt – gesprochen fließt die Erzählung besser. Und für alle, die vor allem Lust haben, die Frau an der Seite des derzeit beliebtesten Ex-Präsidenten der USA besser kennenzulernen: eine absolute Leseempfehlung für »Becoming« von Michelle Obama. 

 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

1 Kommentar

Sarah
#1 — vor 1 Monat
VIelen lieben Dank für die schöne Rezension.

Ich habe das Buch auch gelesen und habe einen ähnlichen Eindruck bzgl. der Übersetzung. Vor allem am Ende, wenn »Becoming« mit »Werden« übersetzt wird, ist es doch etwas holprig.

Der Werdegang und das Kennenlernen von Barack Obama sind sehr spannend und liebevoll beschrieben. Der Wandel, den Barack Obama in ihr auslöst, ist beeindruckend: Von einer ehrgeizigen Frau, zu einer Frau, die nicht ihr eigenes Leben in den Vordergrund stellt, sondern für die Menschen etwas erreichen möchte.

Am Ende, in der Zeit als FLOTUS, wirkt es dann doch nicht mehr ganz so bodenständig. Sie fliegt mit den Jets durch die Welt und möchte schlussendlich allen zeigen und beweisen, welch großartige Projekte sie gestartet und umgesetzt hat.

Nichts destotrotz bleibt der Eintruck, dass sie eine wahnsinnig starke Frau ist, die ihr Leben lang gelernt hat, zu kämpfen. Allein das regt zum Nachdenken an und hat viel in mir bewegt.

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