Diese Berlinale-Filme solltet ihr nicht verpassen

Words by Jana Ahrens
Photography: © Juhani Zebra / Novotnyfilm
Zwei streitende Frauen laufen wütend hintereinander her auf der Straße vor einem Rummel
Berlinale, das heißt Blitzlichtgewitter, Staraufgebot und glamouröse Galas. Über diesem Trubel wollen wir aber den eigentlichen Sinn der Festspiele nicht vergessen: In den kommenden 10 Tagen werden reichlich tolle neue Filme vorgestellt, die wir uns für euch ansehen werden. Eine Auswahl der Filme, die wir gucken werden, gibt es schon einmal hier.

Der Boden unter den Füßen

Lola ist fast 30, erfolgreiche Unternehmensberaterin und pausenlos zwischen den Firmen unterwegs, die sie umstrukturieren soll. 100 Arbeitsstunden pro Woche sind keine Seltenheit. Mit der gleichen Disziplin verwaltet sie auch ihr Privatleben. Dazu gehört, dass möglichst niemand etwas von der Existenz ihrer älteren Schwester Conny wissen soll, die schon lange an psychischen Störungen leidet und ihre Wohnung nicht verlässt. Marie Kreutzers Charakterstudie der Jetsetterin Lola zeigt, dass es manchmal nur ein schmaler Grat ist, der die Gegensätze Ordnung und Chaos, Aufstieg und Absturz voneinander trennt – auch bei einem Menschen, der in der Leistungsgesellschaft bestens funktioniert. 

Celle que vous croyez 

Die attraktive Professorin Claire, 50, ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Die Beziehung zu ihrem jüngeren Lover, einem Fotografen, ist schwierig. Um ihm eins auszuwischen, befreundet sie sich auf Facebook mit seinem Assistenten Alex, 29. Mit gefälschtem Profil gibt sie sich als 24-jährige Clara aus, Alex beißt an. Als sich der Chat-Flirt intensiviert, will Alex seine Traumfrau treffen. Claire erfindet immer neue Ausreden, um ihn im realen Leben auf Abstand zu halten, im Netz aber nicht zu verprellen. Sie erliegt zusehends dem Sog der Parallelwelt, bis die Realitäten verschwimmen und ein Unglück geschieht. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Camille Laurens erzählt Safy Nebbou aus verschiedenen Perspektiven und über die Gespräche zwischen Claire und ihrer Therapeutin von Claires Abdriften in die virtuelle Realität. 

Amazing Grace

Sie kommt herein, unscheinbar, lächelt kurz, sammelt sich und beginnt zu singen.
Im Januar 1972 nahm Aretha Franklin gemeinsam mit dem Southern California Community Choir und Reverend James Cleveland ihr legendäres Album „Amazing Grace“ auf. Auf der Höhe ihres Ruhms beschloss sie, zu ihren Ursprüngen zurückzukehren, zur Welt der Gospelmusik. Das Live-Album wurde an zwei Tagen eingespielt. Dazu gibt es einen Konzertfilm, der die menschliche Würde und die Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit feiert und der jenseits aller Nostalgie in die Diskussionen um den Zustand der modernen Welt einzugreifen vermag. 

Demons 

Die aufstrebende junge Schauspielerin Vicki bekommt die Hauptrolle in einer vielversprechenden Theaterproduktion in Singapur. Was sie für die Chance ihres Lebens hält, erweist sich als Beginn eines schleichenden Missbrauchs durch Regisseur Daniel, für den sadistische Gewalt und künstlerisches Schaffen untrennbar zusammengehören. Doch Machtverhältnisse lassen sich auch ändern…
Vielschichtig verbindet der Film Horror- und Satireelemente mit einem ausgefeilten Sounddesign zu einer Geschichte obskurer Gespenster. 

Kiz Kardesler – A Tale of Three Sisters

Die drei Schwestern Reyhan (20), Nurhan (16) und Havva (13) leben mit ihrem Vater in einem abgelegenen Dorf in Zentralanatolien. Eine nach der anderen wird als Dienstmagd in die Stadt geschickt, doch alle kehren wieder zurück, zuletzt Nurhan. Auch wenn sich für keine der jungen Frauen der Traum von einer besseren Zukunft erfüllt und sie untereinander immer wieder in Streit geraten, halten sie doch unverbrüchlich zusammen. In eindringlichen Bildern erzählt Emin Alper, der selbst in den anatolischen Bergen aufgewachsen ist, ein Märchen. Er thematisiert eine Gesellschaft, in der weder Frauen noch Männer eine Chance haben, den vorbestimmten Kreislauf zu durchbrechen, und lässt dennoch Raum für Hoffnung.

Welche Kinofilme sollten wir uns auf der Berlinale noch für euch angucken und rezensieren?

Wir freuen uns über Vorschläge in den Kommentaren. 

 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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