Powerfrauen von Kate Hodges: unsere #BookClub Rezension

Words by Jana Ahrens
Photography: Sarah Papworth
Sehr bunte Illustration mit einer Frau mit Kopftuch, aus deren Mund Blumen kommen und die mit 4 weiteren Frauen spricht
Autorin Kate Hodges hat mit Unterstützung der Illustratorin Sarah Papworth ein Buch entwickelt, das spannende weibliche Vorbilder über Generationen hinweg portraitiert und zueinander in Beziehung setzt. Damit ist ihnen ein Meisterwerk der alternativen Selbstbestärkung geglückt.

Das einmal vorweg: Ich wünschte, ich hätte ein Buch wie dieses schon mit 16 oder 18 in die Hände bekommen. Doch auch heute noch ist es für mich eine echte Bereicherung. Powerfrauen von Kate Hodges und Sarah Papworth ist gespickt mit Fakten und Erkenntnissen, die mir beim Lesen immer wieder ein „Ach was“ oder ein „Das wusste ich nicht, wie toll!“ abringen konnten. 

 

Was sind Powerfrauen? 

Allerdings ist der Titel des Buches in der deutschen Übersetzung ein kleiner Wermutstropfen. Im Original heißt es I know a woman und spielt damit auf die Möglichkeit an, in Gesprächen über wichtige Themen immer auch den Namen einer Frau und die Geschichte einer Frau einbringen zu können. Oder, noch viel wichtiger, selber zu einem starken Netzwerk von Frauen zu gehören, die sich gegenseitig weiterempfehlen und unterstützen können. Denn darum geht es in diesem Buch: zu zeigen, dass keine erfolgreiche und einflussreiche Frau allein agiert hat. Dass sie alle von anderen Frauen inspiriert und unterstützt wurden, über Generationen hinweg. 

 

Marie Curie ist im Buch mit Marie Mattingly Melonie, Simone de Beauvoir und Chien-Shiung Wu verbunden dargestellt.

 

Powerfrauen hingegen? Was soll das überhaupt heißen: Powerfrau? Ist es bei Männern etwa normal, vor Kraft und Kreativität zu strotzen, so dass es bei ihnen keiner weiteren Erwähnung bedarf? Und bei Frauen die hervorhebenswerte Ausnahme? Melodie Michelberger, die selbst oft dieses Label verpasst bekommt, hat ihre Abneigung gegen diesen Begriff sehr gut in Worte gefasst: 

 

 

Aber für seinen deutschen Titel kann das Buch ja nichts, und deshalb sollte man über den einfach hinwegsehen und sich lieber dem Inhalt des Buches widmen. Denn die Art, wie hier Biografien vernetzt und dargestellt werden, ist einmalig. Auf 191 Seiten werden insgesamt 84 herausragende Frauen aus Kunst, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vorgestellt, die alle etwas gemeinsam haben, auch wenn es „nur“ kurze Begegnungen, Inspirationen oder besondere Charaktereigenschaften sind. Diese Gemeinsamkeiten werden visuell durch Portraits von Sarah Papworth und mithilfe eines sich immer weiterspinnenden Fadens verbunden. Deshalb sind die Biographien auch nicht chronologisch geordnet, sondern eben nach Verbundenheit. So folgt dem Abschnitt über Anne Frank die Biografie von Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai. Warum? Malala gewann den Anne-Frank-Preis für Zivilcourage, der durch eine Stiftung vergeben wird, die Anne Franks Vater einst gründete. Oder es folgt die Beschreibung des Lebens von Josephine Baker auf die Biografie von Beyoncé. Schlicht weil Beyoncé Josephine als ein großes Vorbild benennt. 

 

Kate Hodges stellt eine Verbindung zwischen Chimamanda Ngozi Adichie, Beyoncé, Nina Simone, Angela Davis und Josephine Baker her.

 

Was das Buch ebenfalls zeigt, ist wie divers gesellschaftliche Strömungen schon vor Hunderten von Jahren waren. Auch wenn wir historisch hauptsächlich das Bild westlich-christlicher Standard-Beziehungsmodelle vermittelt bekommen, so gab es doch schon früher Frauen (und auch Männer) in machtvollen Positionen, an Königshäusern, in einflussreichen Familien und traditionellen Gemeinschaften, die andere Wege gingen. Mir war beispielsweise bis zum Lesen dieses Buches nicht bewusst, wie viele bedeutende Persönlichkeiten es bereits im 19. und 20. Jahrhundert gab, die sich nicht auf Geschlechternormen festlegen wollten und es deshalb auch nicht getan haben. Auch wenn sie dafür oft einen hohen Preis zahlen mussten. 

Illustrationen, die immer wieder fesseln

Was ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf: der großartige Illustrationsstil von Sarah Papworth. Ihre Portraits sind eigenwillig und doch absolut treffend. Die Art, wie die Seiten dieses Buches gestaltet sind, muss man einfach als allumfassend bezeichnen. Jede Frau hat ein eigens Panorama. Und so ist die Kunst von Sarah Papworth der Grund, warum dieses Buch niemals zu Ende gelesen werden kann. Denn selbst wenn die Texte bereits erfasst und die Geschichten der Frauen erzählt sind, werden die farbenfrohen Bilder und komplexen Zeichnungen bei jedem erneuten Aufschlagen des Buches für Motivation und Lebensfreude sorgen. 

 

Auch Ada Lovelace darf nicht fehlen. Bei ihr bestehen Verbindungen zu Mary Somerville, Joan Clarke und Florence Nightingale.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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