Woraus besteht eigentlich mein Smartphone?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Priscilla du Preez auf Unsplash
Frau fotografiert mit ihrem Smartphone
Um die 60 Rohstoffe werden benötigt, um ein Smartphone herzustellen. Dazu gehört unter anderem Kobalt. Das Metall wird im Kongo gewonnen. Die schwierige und harte Arbeit ist zum Teil lebensgefährlich, und das nicht nur für die Erwachsenen, sondern auch für die zahlreichen Kinder, die an der Gewinnung beteiligt sind. Für einen Hungerlohn riskieren sie ihr Leben…

Ein Leben ohne Smartphone? Für die wenigsten Menschen ist dieses Szenario noch vorstellbar. Im Jahr 2018 besaßen rund 57 Millionen Personen in Deutschland ein solches Gerät – Tendenz steigend. Das zeigt, dass der kleine Universal-Computer für die Tasche schon längst zu einem unverzichtbaren Begleiter geworden ist. Darüber hinaus nutzen wir das smarte Mobiltelefon im Durchschnitt bis zu drei Stunden am Tag – und das nicht nur zum Telefonieren und chatten. Wir verwenden es als Kamera, um Musik zu hören, erledigen Bankgeschäfte, kaufen damit ein oder öffnen mit dem Handy, wie es privat nach einer technischen Aufrüstung und beim Carsharing üblich ist, sogar unsere Autos. Aus diesem Grund und da die Geräte inzwischen so gut wie überall zu bekommen sind, betrachten wir Smartphones mittlerweile als Selbstverständlichkeit und nicht mehr als Luxusgegenstand.

Aus diesen seltenen Erden besteht ein Smartphone

Wie luxuriös ein Handy aber ist, lässt sich allerdings erkennen, wenn wir es auseinandernehmen und einmal genauer schauen, woraus es eigentlich besteht. In einem Mobiltelefon stecken diverse Einzelteile wie das Display, die Leiterplatte, der Akku, das Mikrofon und die Lautsprecher. Vieles davon besteht aus Plastik, Glas und Keramik. Weiterhin werden für ein Smartphone unter anderem folgende Metalle verwendet:

  • Kupfer: Verwendung in Form von Drähten und Leiterplatten. Vorkommen: u.a. Chile, China, USA
     
  • Aluminium: Verwendung als Abschirmblech, um die Elektronik vor den von der Antenne ausgehenden elektromagnetischen Strahlen abzuschirmen. Vorkommen: u.a. Jamaika, China, Russland, Kanada
     
  • Eisen: Verwendung für sämtliche Schrauben. Vorkommen: u.a. Brasilien, China, Australien, Indien
     
  • Palladium: Verwendung für die Kontaktflächen zwischen einzelnen Bauteilen. Vorkommen: u.a. Kanada, Südafrika, Russland
     
  • Silber: Verwendung in der Tastaturmatte und der Leiterplatine der Kontaktbahnen. Vorkommen: u.a. Peru, Mexiko, China, Australien
     
  • Gold: Verwendung für die Kontakte einer SIM-Karte und am Akku. Vorkommen: u.a. China, Südafrika, Australien, USA
     
  • Kobalt: Verwendung für den Akku. Vorkommen: u.a. Demokratische Republik Kongo, Sambia, China
     
  • Tantal: Verwendung als Kondensator. Vorkommen: u.a. Demokratische Republik Kongo, Australien, Brasilien
     
  • Zinn: Verwendung als Lötzinn, der die Bauteile mit der Kupferschicht der Platine verbindet. Vorkommen: u.a. China, Indonesien, Peru
     
  • Gallium: Verwendung in Leuchtdioden als Hintergrundbeleuchtung des Displays oder Kameralicht. Vorkommen: u.a. Kasachstan
     
  • Indium: Das sehr seltene Metall wird für LCD-Displays benötigt. Vorkommen: u.a. China, Kanada, Peru

 

Ein einziges Gerät enthält dabei übrigens sieben Stoffe (darunter Kobalt und Gallium), die 2014 von der EU-Kommission als sogenannte kritische Rohstoffe eingestuft wurden – heißt, sie werden weltweit immer knapper und seltener. Aus diesem Grund wird auch die Suche danach immer komplizierter und gefährlicher.

Die Rohstoffförderung: Ein tödliches Geschäft?

Die Förderung und der Abbau der verschiedenen Rohstoffe finden in den jeweiligen Herkunftsländern unter anderem in Minen statt. Davon abgesehen, dass die Rohstoffförderung und die Handyproduktion mit einem sehr hohen Ressourcen- und Energieaufwand verbunden sind, gibt es auch soziale Folgen. Immer wieder werden internationale Standards und Menschenrechte verletzt. So arbeiten die Menschen in Bolivien und im Kongo in steilen, selbstgebuddelten Schächten, die theoretisch jederzeit einstürzen könnten. Dabei tragen sie weder Sicherungen noch Schutzkleidung. Vor allem in den Minen Kongos, in denen das für die Herstellung von Akkus wichtige Kobalt zu Tage befördert wird, müssten eigentlich Schutzmasken getragen werden. Wie Amnesty International bestätigt, kann das Einatmen von Kobaltstaub schwerwiegende Lungenkrankheiten verursachen. Hinzu kommt, dass aufgrund der viel zu geringen Löhne auch immer wieder Kinder mehrere Stunden täglich schuften und mit bloßen Händen nach den Rohstoffen suchen müssen.

Muss es immer ein neues Smartphone sein?

Mit dem Wissen, welche Rohstoffe in einem Smartphone stecken und unter welchen Bedingungen diese zu Tage gefördert werden, klingt es beinah absurd, wenn Umfragen ergeben, dass nur etwa 13 Prozent der Menschen ihr Handy länger als zwei Jahre verwenden. Die Masse der Geräte landet noch immer im Müll oder in der heimischen Schublade. Wer einen Beitrag leisten möchte, kann leicht etwas tun und das Smartphone so lange verwenden, bis es wirklich nicht mehr zu gebrauchen ist. Auch ist nicht zwingend immer ein Neukauf notwendig: Wenn es einfach ein anderes Modell sein soll, lohnt sich auch ein Blick auf den Gebrauchtwarenmarkt. Es ist also keinesfalls übertrieben, wenn wir hin und wieder etwas dankbarer sind und unser Handy mehr wertschätzen. Denn während wir uns vor Smartphones kaum retten können, bleiben diejenigen, die die Rohstoffe liefern und dafür sogar ihr Leben riskieren, oft bitterarm.

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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