Was ist eigentlich eine Emanze?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Mignon Hemsley auf Unsplash
Eine junge Frau in einem durchsichtigen, roten Oberteil
Den Begriff »Emanze« dürften die meisten schon einmal gehört haben. Doch was bedeutet das Wort eigentlich und an wen richtet es sich?

Wurdest du schon einmal mit den Worten »Du bist ja eine richtige Emanze!« konfrontiert? Vielleicht fiel es dir schwer, das Gesagte einzuordnen und für dich persönlich zu bewerten? Von vielen Menschen wird »Emanze« vor allem als Beleidigung aufgefasst – immer häufiger jedoch auch als eine Art Bestätigung. »Emanze« lässt sich auf das Wort »Emanzipation« bzw. »emanzipiert« zurückführen. Sobald Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Glaubenszughörigkeit oder welcher Gesellschaftsschicht, ein emanzipiertes Leben führen, ist das ja eigentlich etwas Positives. Der Begriff wird meist für Frauenrechtlerinnen oder Feministinnen verwendet, und wenn eine solche sich selbst als Emanze bezeichnet, steht sicher auch der positive Aspekt im Vordergrund. Doch leider wird der Begriff auch heute noch – ähnlich wie »Saftschubse« für »Flugbegleiterin« oder »Tippse« für »Sekretärin« – oft abwertend verwendet.

Die Emanze und ihr negativer Ruf

Den negativen Ruf erlangte das Wort etwa um 1970, als die zweite Welle der Frauenbewegung ihren Höhepunkt erreichte.

Diese globale und soziale Bewegung hatte vor allem die Gleichstellung der Geschlechter und die Neubewertung der tradierten Geschlechterrollen zum Ziel. Konkreter richteten sich die Proteste gegen Bevormundung, Ungerechtigkeiten und soziale Ungleichheiten. Die zahlreichen Gegner der Bewegung setzten »Emanze« als Schimpfwort, aber auch scherzhaft ein, um sich über die Forderungen der Protestlerinnen lustig zu machen.

Die Emanze erhält einen neuen Anstrich

Immer mehr Frauen (sowie erfreulicherweise auch der ein oder andere Mann) bezeichnen sich aktuell mit Stolz als Feminist*innen oder eben auch als Emanze. Der Duden definiert das Wort als »Frau, die sich bewusst emanzipiert gibt und die sich aktiv für die Emanzipation einsetzt«. Doch selbst hier wird der Begriff immer noch als »umgangssprachlich« und »oft abwertend« markiert. Das Wort komplett von den »alten Geistern« zu befreien hat bisher also noch nicht funktioniert, doch scheint zumindest der Weg dorthin geebnet: Noch nie war es so beliebt, ja beinah sogar Trend, sich für die Belange der Frauen einzusetzen und in diesem Zuge die eigene politische Einstellung kundzutun und vielleicht sogar kämpferisch zu vertreten. In vielen Köpfen ist das alte, eingestaubte Bild der unweiblichen und männerhassenden Emanze dem einer coolen und starken Frau gewichen, die eine Meinung hat und vertritt– und das auch ohne die Männerwelt dabei auszuschließen.

Und immer mehr Frauen möchten so sein wie sie: Feministinnen wie Roxane Gay, Lena Dunham, Laurie Penny oder Tarana Burke gehören zu den Vorbildern einer ganz neuen, starken Bewegung, die der Öffentlichkeit mit Stolz präsentieren, wie toll es ist, emanzipiert zu sein und sich für das Recht auf Emanzipation stark zu machen.

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Alltag

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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