Bumble: Eine Dating-App mit Toleranz, Gleichberechtigung und Respekt?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Jake Rosenberg for The Coveteur
Frau mit Handy
Hast du schon von Bumble gehört? Die Dating-App möchte mit Respekt, Rücksichtnahme und Gleichberechtigung einen Ort schaffen, an dem sich jeder wohlfühlt. Doch kann das Konzept aufgehen und gegen Konkurrenten wie Tinder bestehen?

So wird es uns in all den klassisch romantischen Filmen vorgemacht: Findet ein Mann eine Frau besonders attraktiv und sympathisch, spricht er sie an – sofern er in der Situation den Mut aufbringt. Offline sowie auch online ist das noch immer das Stereotyp. Man könnte es auch “Flirten nach dem Einbahnstraßen-Prinzip” nennen. Laut einer Umfrage von Parship, die unter 2000 Singles durchgeführt wurde, würde zwar jede zweite Frau in Einzelfällen über ihren Schatten springen, um ihren Traummann nicht vorbeiziehen zu lassen – doch gilt für die meisten noch immer: Den Anfang muss er machen.

Nach diesem Schema läuft es scheinbar auch bei der bekannten Dating-App, die bereits so manchen Single in den Wahnsinn getrieben hat. Und inzwischen dürfte auch vielen klar sein: Wer auf der Suche nach der wahren und wirklich großen Liebe ist, verirrt sich eher nicht zu Tinder. “Swipen. Matchen. Chatten.” – so lautet das Motto, das erst einmal unkompliziert klingt. In der Realität sieht es jedoch anders aus. Immer mehr Tinder-Nutzer berichten: Menschen mit ernsthaften Absichten begegnet man dort inzwischen nur noch selten.

 Bumble gibt Frauen das Zepter in die Hand

Und jetzt kommt Bumble ins Spiel. Gründerin Whitney Wolfe hat früher selbst für Tinder gearbeitet. Sie verließ das Unternehmen, nachdem sie es wegen sexueller Belästigung verklagt hatte, und gründete mit zwei Ex-Kollegen ihre eigene Firma. Besonders spannend: Die App ist anders als ihre Konkurrenten, denn sie kehrt das Stereotyp beim Daten einfach um. Männer haben hier gar nicht die Möglichkeit, den ersten Schritt zu machen. Zwar können sie per bekanntem Fingerwisch signalisieren, dass sie Interesse haben, die Initiative müssen dann aber die Frauen ergreifen. Reagieren Nutzerinnen trotz Match nicht, ist nach 24 Stunden die Chance auf ein Kennenlernen Geschichte. Pro Tag kann ein Match um 24 Stunden verlängert werden. Danach muss – wie bei anderen Apps auch – gezahlt werden. Alle Zusatzfunktionen kosten 7,99 Euro im Monat. Dafür können abgelaufene Matches erneuert und unbegrenzt verlängert werden. Außerdem können wir sehen, wer uns interessant findet. Deutlich günstiger als bei Tinder, wo man für die Gold-Variante inzwischen 27,49 Euro im Monat bezahlen muss.

Respekt wird bei Bumble großgeschrieben

Doch Bumble möchte über ein soziales Experiment und das stupide digitale “Wischi-Waschi” hinausgehen. Den Mitgliedern soll vermittelt werden, auch offline und in jeder Beziehungsphase Toleranz zu zeigen und respektvoll miteinander umzugehen. Dabei versucht Bumble, ein sicherer Ort zu sein, an dem harmonische, stabile Beziehungen entstehen können – auch zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern (kommt hier ein Match zustande, können übrigens beide den ersten Schritt machen) und für rein freundschaftliche oder berufliche Kontakte: Inzwischen gibt es auch Bumble BFF und Bumble Bizz. Doch auch hier heißt es: Ladys first!

Screenshot App
Bildquelle: Screenshot App Store

Bumble hat es in Deutschland noch schwer

Doch welchen Vorteil bietet Bumble gegenüber anderen Dating-Apps? Mit dem Konzept und den Grundprinzipien – Respekt, Rücksichtnahme und Gleichberechtigung – kommt Bumble bei den Nutzern gut an. Gutes Verhalten wird mit einem VIP-Status belohnt, der Zugang zum VIBee-Bereich erlaubt. Hier kann man mit anderen ausgewählten Usern in Kontakt treten. Apropos Kontakt: Hinter der Idee von Bumble steckt außerdem, dass Männer die Aufmerksamkeit einer Frau wieder mehr zu schätzen lernen sollen, indem sie darauf hoffen müssen, dass ihr Interesse erwidert wird.

In Deutschland wird die App aus Amerika immer bekannter. Doch vor allem in Großstädten wie Berlin, Köln oder Hamburg sind es bisher viele Australier, Amerikaner und Briten, die die App nutzen. Im Play Store lassen sich daher viele Kommentare lesen, die bemängeln, dass bislang zu wenige deutsche User angemeldet sind. Negativ wahrgenommen wird auch, dass sich Bumble, ähnlich wie andere Dating-Apps, zur Anmeldung alle wichtigen Daten und Fotos von Facebook zieht.

Davon abgesehen kann man sagen: Bumble eröffnet uns neue Dating-Möglichkeiten und sorgt insgesamt für einen respektvolleren Umgang. Doch müssen wir auch bereit dafür sein, den ersten Schritt zu unternehmen. Laut Statistiken müssen wir Frauen uns erst noch daran gewöhnen, die Rolle der Eroberin einzunehmen. Dabei dürfen wir auch nicht vergessen, dass sich das Blatt nach dem ersten Kontakt auch schnell wieder wenden kann. Nervige und beleidigende Anmachen können wir aber zumindest anfänglich gezielter ausschließen. Indem wir uns nur bei denjenigen Männern melden, die uns auch zu 100 Prozent zusagen, können eventuell längerfristig größere Enttäuschungen vermieden werden. Wie sich das mit dem Respekt, der Rücksichtnahme und der Gleichberechtigung außerhalb der App verhält, muss allerdings wieder jede für sich selbst feststellen.

Mehr Informationen zu bumble findest du hier.

Bumble-Gründerin: Whitney Wolfe Herd
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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Ronja
#1 — vor 6 Monaten 1 Woche
Also ist eine App, bei der ausschliesslich die Frauen die Männer anschreiben dürfen (ausser bei Schwulen), besser für die Gleichberechtigung (wie im Titel erwähnt), als eine App, bei der beide Geschlechter die gleichen Rechte haben? :) Doch, klingt logisch...

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