Postpartale Depression: Wenn die Liebe zum Kind fehlt

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Julie Johnson auf Unsplash
Mutter und Kind
Die Vorstellung ist einfach furchtbar. Du bist schwanger, freust dich riesig darüber. Sobald das eigene Kind auf der Welt ist, fühlst du allerdings nichts. Wie es zu einer postpartalen Depression kommt und was dagegen getan werden kann…

Schon während der Schwangerschaft bereiten wir uns auf den Nachwuchs vor. Dabei vertrauen wir auf Ärzte, Ratgeber, die eigene Mutter – aber auch uns selbst. Muttersein lässt sich nicht üben. Deshalb kann sich in der Theorie so manches Szenario wesentlich einfacher gestalten, als es am Ende wirklich ist. Und dann ist es so weit: Das Baby ist da. Unendlich viele Glückshormone werden ausgeschüttet und sorgen für einen regelrechten Rausch. Für einige Frauen ist dieser Zustand allerdings zeitlich begrenzt. Bereits in den ersten drei Tagen nach der Geburt kann es zu einem schlagartigen Stimmungswechsel kommen. Überforderung und Unsicherheit lösen die unendliche Freude ab. Angst nimmt ihren Platz ein und Niedergeschlagenheit wird zu einem ständigen Begleiter.

Woran erkenne ich eine postpartale Depression?

Auslöser für dieses Gefühlschaos ist ein blitzartiger Hormonabfall. Absolut nicht ungewöhnlich. Der Förderverein, “Bei aller Liebe”, widmet sich der psychiatrisch-psychotherapeutischen Mutter-Kind-Behandlung und erklärt: „Die Geburt eines Kindes löst bei der Mutter nicht unbedingt – wie von der Gesellschaft erwartet – ein Glücksgefühl aus. 50 bis 80 Prozent aller Mütter erleben eine solche Phase“. Was auch als “Babyblues” bezeichnet wird, entwickelt sich schnell und verschwindet in vielen Fällen nach kurzer Zeit (fünf bis zehn Tagen) wieder. Leider nicht immer. Etwa 15 Prozent der Mütter bleiben in einem tiefen Tal gefangen. Jetzt sprechen wir von einer postpartalen Depression – einer psychischen Krankheit.

Bei der postpartalen Depression handelt es sich um eine psychische Krankheit

Negative Gefühle wie Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Hilflosigkeit werden oftmals fehlinterpretiert. „Ist doch klar, dass ich mich noch an den neuen Alltag gewöhnen muss“, lässt sich die Situation leicht kleinreden. Eindeutige Symptome einer postpartalen Depression sind daher: Angstattacken, innere Leere, fehlende Freude im Umgang mit dem Nachwuchs und auch dem eigenen Partner, aggressives Verhalten, Schuldgefühle, depressive Verstimmungen, häufiges Weinen. Im Allgemeinen gelingt es nicht, auch nur irgendeine Form von Muttergefühlen zu entwickeln.

Postpartale Depression: Was kann dagegen getan werden?

Der große Druck von außen macht die scheinbar so ausweglose Situation noch unerträglicher. Außenstehende erwarten, dass junge Mütter ihr Baby lieben und überglücklich sind. Viele Frauen schämen sich für ihre Gefühle. Sie suchen sich aus diesem Grund keine Hilfe, obwohl diese doch so dringend gebraucht wird.

Du stellst die oben genannten Symptome bei dir fest? Dann ist es ratsam, sich der eigenen Familie und Spezialisten anzuvertrauen. Dein Frauenarzt oder deine Hebamme sind gute Berater. Im nächsten Schritt sollte die Hilfe auch angekommen und im Alltag umgesetzt werden. Mütter müssen nicht pausenlos funktionieren und als Superheldinnen agieren. Bewusste Zeiten für dich selbst, um zu entspannen, sind daher besonders wichtig. Auf der anderen Seite solltest du allerdings auch unter Leute gehen. Isolation verstärkt die Krankheit.

Antidepressiva – ja oder nein?

Je nachdem, wie schwer die Depression ist, raten Ärzte zu Antidepressiva. Sie können die Heilung unterstützen und dir aus der Krise helfen. Sobald sich eine Besserung einstellt, ist es ratsam, nach einer Alternative zu suchen. Eine klassische Psychotherapie oder alternative Heilmethoden können weiterhin hilfreich sein. Im Netz lassen sich außerdem viele Anlaufstellen finden, die dem Austausch dienen. Zum Beispiel findest du über schatten-und-licht.de Kontaktdaten zu Fachleuten, Selbsthilfegruppen und Betroffenen in ganz Deutschland.

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Ilona Hesseling
#1 — vor 7 Monaten 2 Wochen
Schade, dass auch in diesem Artikel wieder von einer »psychischen Krankheit« gesprochen wird. Das lockt nur Kommentare aus wie : nun stell dich nicht so an, oder : das geht vorüber, nur nicht drüber nachdenken.Kommentare auf die Eine Frau in dieser Situation gut verzichten kann und die auch nicht helfen. Besser wäre es darauf hin zu weisen das es auch soziale und körperliche Ursachen gibt, wie z. B. Hormonhaushalt, dazu gehören auch Schilddrüse und Nebennieren, Vitaminmangel,etc. Von sozialen Ursachen spricht man wenn z.B. kein Partner/Familie da ist, wenn Arbeitslosigkeit/Armut drohen oder aus einem anderen Grund ein Isolement vorhanden ist.

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